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Du machst dir Sorgen um jemanden, der gemobbt wird.

Du siehst, wie sich jemand verändert, der dir wichtig ist. Wie sie kleiner wird, müder, unsicherer. Du würdest helfen, wenn du wüsstest wie.

Hier findest du Orientierung - was Mobbing wirklich mit Menschen macht, wie du gut für deine Freundin da sein kannst, und wie du selbst nicht dabei zerbrichst.

Was deine Freundin gerade durchmacht

Sie ist nicht „zu sensibel". Sie ist nicht „verrückt". Sie ist nicht „komisch geworden".

Sie wird gemobbt - und das hinterlässt Spuren, die du wahrscheinlich beobachtest, ohne sie immer einordnen zu können.

Sie zieht sich zurück. Mobbing isoliert. Nicht weil sie dich nicht mehr mag, sondern weil sie irgendwann nicht mehr die Kraft hat, sich anderen zu erklären. Und weil sie befürchtet, dass auch du irgendwann denkst: „Vielleicht stimmt ja doch was nicht mit ihr."

 

Sie zweifelt an sich selbst. Mobbing funktioniert, indem es die Wahrnehmung verzerrt. „Vielleicht bilde ich mir das ein. Vielleicht bin ich wirklich zu empfindlich." Diese Sätze sind nicht Zeichen von Schwäche - sie sind das Werk eines Systems, das genau diese Sätze hervorbringt.

Ihr Körper reagiert. Schlafprobleme, ständige Erkältungen, Magenbeschwerden, Druck in der Brust. Das ist keine Einbildung und keine Schwäche. Das ist ein Nervensystem, das seit Monaten oder Jahren in Alarmbereitschaft ist.

Sie wirkt manchmal abwesend. Wer dauernd damit beschäftigt ist, das Erlebte zu sortieren („Reagiere ich vielleicht doch über?"), hat wenig Kapazität für anderes. Das ist kein Desinteresse an dir - das ist Erschöpfung.

Sie reagiert manchmal gereizt oder hart. Wer ständig im Alarm ist, hat kaum Reserven für die feinen Töne. Das ist nicht gegen dich gerichtet - das ist ein Nervensystem ohne Pufferzone.

Was du siehst, ist real. Und was deine Freundin erlebt, hat einen Namen. Das, was sich gerade in ihr abspielt, ist eine vorhersehbare Reaktion auf eine konkrete Belastung - keine Charakterschwäche.

Was Mobbing mit dir macht

Du bist nicht selbst gemobbt. Aber das Mobbing deiner Freundin trifft auch dich - auf eine andere Weise, aber spürbar.

Du fühlst dich hilflos. Du siehst, was passiert, und kannst nichts daran ändern. Du kannst nicht in das Büro deiner Freundin gehen und die Dynamik umdrehen. Du kannst sie nicht schützen. Diese Hilflosigkeit ist eine der schwersten Erfahrungen, die Angehörige machen.

Du wirst zur Übersetzerin. Zwischen ihr und ihrer Familie, zwischen ihr und gemeinsamen Freundinnen. Du erklärst, warum sie heute nicht kommt. Warum sie sich verändert hat. Warum sie nicht mehr lacht wie früher. Das kostet Kraft - und manchmal Loyalität, die niemand bemerkt.

Du zweifelst an dir selbst. „Mache ich genug? Mache ich es richtig? Sollte ich mehr drängen? Oder weniger?" Diese Fragen kreisen, oft nachts. Es gibt keine eindeutige Antwort darauf - und das ist anstrengend.

Du wirst manchmal selbst gereizt oder traurig. Wer wochenlang Sorgen um jemanden trägt, wird selbst dünnhäutiger. Du reagierst empfindlicher auf Dinge, die dich sonst nicht berühren. Das ist kein Charakterversagen - das ist die Belastung, die du trägst.

Du verlierst manchmal die Geduld - und schämst dich dafür. Es gibt Momente, in denen du denkst: „Warum tut sie nicht endlich etwas? Warum sucht sie sich keinen anderen Job?" Diese Gedanken sind menschlich. Sie machen dich nicht zu einer schlechten Freundin. Sie zeigen, wie viel du selbst gerade aushältst.

Mobbing ist nicht nur ein Problem zwischen Täter und Betroffener. Es ist eine Belastung, die weiter wirkt - in Beziehungen, in Familien, in Freundeskreisen. Was du gerade spürst, ist nicht falsch. Es ist eine angemessene Reaktion auf eine reale Belastung.

Was du für deine Freundin tun kannst

Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Aber es gibt Haltungen und Reaktionen, die helfen - und solche, die unbeabsichtigt schaden, obwohl sie gut gemeint sind.

Was wirklich hilft:

Glaub ihr. Der wichtigste Satz, den deine Freundin von dir hören kann, ist nicht „Das wird schon". Es ist: „Ich glaube dir." Mobbing funktioniert, indem es die Wahrnehmung verzerrt. Eine zweite Person, die sagt „Ja, das, was du erlebst, ist real", ist die Grundlage für die Veränderung - auch wenn du selbst nicht alle Details kennst.

Bleib in Verbindung - auch wenn sie sich zurückzieht. Eine kurze Nachricht, ein „Ich denk an dich", ohne Anspruch auf Antwort. Eine Einladung, die du nicht zurückziehst, auch wenn sie zum dritten Mal absagt. Das Wissen, dass jemand da ist - auch wenn sie gerade keine Kraft hat, in Beziehung zu sein - trägt mehr, als du vermutest.

Frag nicht ständig, was sie tun wird.Hast du schon mit der Personalabteilung gesprochen?", „Suchst du dir was Neues?" - solche Fragen sind gut gemeint, setzen aber unter Druck. Wer in einer Mobbing-Dynamik steckt, hat oft nicht die Kraft für klare Entscheidungen. Druck von außen macht es nicht leichter.

Akzeptiere, wenn sie nicht reden will. Manchmal hat deine Freundin gerade keine Kraft, das Erlebte zu sortieren oder zu erzählen. Das ist kein Misstrauen gegen dich. Das ist Erschöpfung. Frag nicht „Wie geht's dir mit der Sache?", sondern „Wie geht es dir heute?" - und akzeptiere ein „Geht so" als gültige Antwort.

Sei einfach da. Manchmal reicht es, gemeinsam einen Tee zu trinken, einen Spaziergang zu machen, einen Film zu schauen. Ohne zu reden, ohne zu helfen, ohne etwas „klären" zu wollen. Diese Momente sind Inseln. Mobbing-Betroffene brauchen Inseln.

Verweise auf Hilfe, ohne zu drängen. Wenn der Moment passt, kannst du Hilfsangebote erwähnen - Beratungsstellen, Therapeut:innen, professionelle Begleitung. Aber: erwähnen, nicht drängen. Die Entscheidung, sich Hilfe zu holen, muss sie selbst treffen.

Im Notfall: Wisse, wo Hilfe ist. Wenn deine Freundin in eine akute Krise gerät - etwa Suizid-Gedanken äußert oder völlig aus dem Boden gerissen wirkt - sind Krisendienste der richtige Ort, nicht eine längerfristige Begleitung. Eine Auflistung der österreichischen Krisenstellen findest du hier.

Was unbeabsichtigt schadet:

„Lass dir das nicht gefallen!"  Klingt unterstützend, ist aber eine Aufforderung zur Stärke, die deine Freundin gerade nicht aufbringen kann. Es kann das Gefühl verstärken: „Sogar meine Freundin findet, ich sollte mich besser wehren."

 

„Such dir doch was Neues."  Bei beruflichem Mobbing ist das oft der erste Reflex. Aber: der Jobwechsel löst die innere Dynamik nicht auf, und ihn als „einfache Lösung" anzubieten verkleinert die Situation. Manche Frauen bleiben aus Gründen, die du nicht sofort siehst - finanziell, beruflich, psychisch.

„Vielleicht ist sie auch nicht ganz unschuldig."  Wenn du Außenstehenden gegenüber relativierst - auch wenn du es ausgleichend meinst - verstärkt sich für deine Freundin der Eindruck: „Niemand glaubt mir wirklich." Solidarität heißt nicht, dass deine Freundin perfekt ist. Aber: nicht relativieren in der Öffentlichkeit. Klärung passiert zwischen euch beiden.

„Du musst doch endlich…"  Jede Variante dieses Satzes setzt unter Druck. Deine Freundin kennt die „eigentlich-müsste-Liste" besser als du - sie sagt sie sich selbst täglich vor. Was sie braucht, ist nicht Druck, sondern jemand, der den Druck nicht noch verstärkt.

Was du für dich selbst tun kannst

Wenn du selbst keine Energie mehr hast, kannst du niemanden mehr helfen.

Für sich selbst zu sorgen, während jemand anderes leidet, fühlt sich oft falsch an. Es ist nicht falsch. Es ist Voraussetzung dafür, dass du langfristig da sein kannst - für deine Freundin und für dich.

Erlaube dir, über deine Belastung zu sprechen.Ich darf das niemandem erzählen" ist ein Satz, der dich selbst überfordert. Komplette Geheimhaltung aus Loyalität schadet beiden Seiten. Du musst nicht die Details deiner Freundin ausbreiten - aber du darfst eine vertraute Person außerhalb des gemeinsamen Umfelds haben, mit der du über deine eigene Belastung sprichst. Das kann eine andere enge Freundin sein, eine Therapeutin, eine Beraterin. Hauptsache: nicht alleine tragen.

Zieh klare Grenzen, ohne dich zu rechtfertigen. Du musst nicht immer erreichbar sein. Du musst nicht jede Nachricht sofort beantworten. Du musst nicht jeden Anruf annehmen, wenn du selbst gerade keine Kraft hast. Eine gute Begleiterin ist nicht eine, die ständig verfügbar ist - sondern eine, die verlässlich da ist, in den Rahmen, die sie selbst halten kann.

Achte auf deinen eigenen Körper. Schläfst du noch durch? Vergisst du zu essen? Kommst du nicht mehr zu deinen Sportzeiten oder zu dem, was dir Freude macht und Energie gibt? Das sind Signale, die du nicht ignorieren solltest. Wer für jemand anderes da sein will, braucht selbst einen Boden, auf dem sie steht.

Behalte dein eigenes Leben. Triff dich mit anderen Menschen, geh deinen Interessen nach, lach mit anderen Frauen über andere Themen. Das ist kein Verrat an deiner Freundin. Es ist das Gegenteil: es hält dich lebendig genug, um in den schwierigen Momenten wirklich da zu sein.

Akzeptiere, dass du nicht alles lösen kannst. Du kannst nicht für deine Freundin entscheiden, du kannst die Dynamik in ihrem Job nicht ändern, du kannst ihre Vergangenheit nicht ungeschehen machen. Was du tun kannst, ist da sein - und das ist viel. Aber es ist nicht alles. Diesen Unterschied zu akzeptieren, schützt dich davor, dich an einer Aufgabe aufzureiben, die nicht deine ist.

Hol dir selbst Unterstützung, wenn du sie brauchst. Manchmal wächst die eigene Belastung so weit, dass sie eigene Aufmerksamkeit braucht. Das ist kein Versagen, das ist Realismus. Wer einer Mobbing-Betroffenen nahesteht, ist oft selbst über Monate oder Jahre belastet - und dann braucht auch das eigene Nervensystem Begleitung.

Achte darauf, ob bei dir selbst etwas getriggert wird. Wenn du selbst Mobbing-Erfahrungen hattest, kann die Situation deiner Freundin alte Gefühle wieder wachrufen - Hilflosigkeit, Wut, Ohnmacht. Das ist normal, aber es verdient eigene Aufmerksamkeit. Du begleitest gerade nicht nur deine Freundin, sondern auch dich selbst durch eine Erinnerung.

Du bist nicht für ihren Weg verantwortlich. Du bist verantwortlich für deine eigene Stabilität. Wenn du die hältst, ist das das größte Geschenk, das du euch beiden machen kannst.

Wenn du selbst Stärkung brauchst

Manchmal reicht es nicht, sich nur um die andere zu kümmern. Manchmal merkst du: das hier zehrt an mir mehr, als ich tragen kann. Oder: das, was bei meiner Freundin passiert, weckt etwas Eigenes in mir auf.

Dann ist es Zeit, dass auch du dir Begleitung holst.

Ich begleite Frauen, die selbst Mobbing-Erfahrungen haben - und Frauen, die merken, dass die Sorge um eine andere Person an einen eigenen wunden Punkt führt. Beides ist eine Belastung, die Aufmerksamkeit verdient. Beides benötigt die drei Ebenen, an denen ich auch sonst arbeite: Körper, Realität und Muster.

Die Bestandsanalyse ist der erste Schritt. Zwanzig Minuten, kostenlos, ohne Verpflichtung. Wir sprechen, du erzählst, was bei dir gerade los ist. Ich sage dir, wie ich dich unterstützen kann.

Wenn du das Gefühl hast, deine Freundin sollte selbst Begleitung suchen: Das kannst weder du, noch ich für sie tun. Sie muss diesen Schritt selbst gehen, wenn sie soweit ist. Du kannst ihr aber den Weg zeigen, ohne zu drängen.

Manuela Reschreiter

Psychologische Beratung für Mobbing- & Stressbewältigung

Mobbing hinterlässt Spuren.

Und die Muster dahinter lassen sich verändern.

© 2026 Manuela Reschreiter

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